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Die neue Barftgaans | Feuilleton im Netz – 10. November 2025

Emotionaler Ausnahmezustand
Aufführung des Paulus-Oratoriums gelang beeindruckend und mit Glanz

Nach zwei Stunden und 20 Minuten verklang der letzte Ton. Da hatte die große Orgel in St. Marien längst zu Orchester, Solisten und Chören gefunden. Danach Stille. Und dann der Beifall; rhythmisch, jubelnd, einhellig. Was für eine gelungene Vorstellung. Und Erik Matz hatte Recht, als er vor einer Woche im Gespräch sagte: „Es ist lang und sehr schön, aber wenn es vorbei ist, denkt niemand: das war aber lang.“

Es ist die Geschichte von Irrtum und Bekehrung, von Liebe und Hass und Neid, von Vergewisserung, Glaube und Zuversicht. Das alles am 9. November, dem deutschen Schicksalsdatum. Das Paulus-Oratorium op. 36 von Felix Mendelssohn-Bartholdy für Gesangssolisten, Chor und Sinfonieorchester erklang in Kooperation von St.-Marien-Kantorei, Hugo-Distler-Ensemble, den Lüneburger Symphonikern, Sarah Hanikel (Sopran), Matthias Koziorowski (Tenor) und Andreas Beinhauer (Bass).  Am Pult stand Erik Matz. Der hatte diesen Marathon der Oratorienmusik schon einmal 1998 aufgeführt, „es war mein erstes großes Konzert“, sagte er, drei Jahre vorher war er nach Uelzen gekommen. Der Kantor zeichnete in den langen drei Jahrzehnten für zahllose Musikerlebnisse verantwortlich, diese Aufführung wird sich, gibt es eine Rangfolge, auf den vorderen Rängen einreihen.

In pulsierend warmem Sound begann die Ouvertüre, das Orchester präsentierte sich in allen Registern von Anfang an beharrungsstark verlässlich und als dringliche musikalische Wirkungsmacht. Die Balance zwischen Solisten und Chor stimmte zu jedem Zeitpunkt, da drängelt sich nichts und niemand in den Vordergrund. Erik Matz gab der Partitur Prägnanz und Durchsichtigkeit, war ein wacher, agiler und sehr energischer Leiter. Diese Ouvertüre stimmte ein auf einen musikalischen Abend voller Spannung; er würde sich zwischen zartem Arioso und klirrender, hassender Wucht bewegen.

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Die neue Barftgaans | Feuilleton im Netz – 2. Juli 2023

Fließende Melodien

Hugo-Distler-Ensemble eröffnet St.-Marien-Sommerkonzerte unter dem Titel „Panta rhei

Meist hat es der Erste, der anfangen muss, schwer. Nicht so die Akteure für das erste St.-Marien-Sommerkonzert, das Hugo-Distler-Ensemble aus Lüneburg. Die rund zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger bestritten den Auftakt für 2023. Es ist wunderbar zu sehen, wie die Reihen in der Kirche schon an diesem ersten Tag der Konzertreihe gefüllt waren. Bis zum 26. August wird es jetzt an jedem Samstag heißen: Termin 16:45 Uhr, St. Marien.

Und so hatten der Leiter des Ensembles, Kantor Erik Matz, und sein Chor quasi ein Heimspiel. Sie stellten ihr Konzert unter das Motto „Panta rhei“ – Alles fließt – womit man nichts falsch machen kann. Denn neben der Lebenszeit fließen das Wasser und die Melodien und die Gefühle, die besungen wurden. Alles hat eben seine Zeit. Um daran zu erinnern, erklang von Orlando di Lasso das „Omnia tempus habent“, die Motette für zwei achtstimmige Chöre, die die tröstliche Schlusszeile beinhaltet: „Tempus belli et tempus pacis“ – Der Krieg hat seine Zeit, aber der Frieden genauso. Erst recht, möchte man hoffen. Angesichts dieser Gegenwart ist das wichtig ...

Das Hugo-Distler-Ensemble suchte sich für sein Programm Noten durch die Jahrhunderte. Zwischen dem erwähnten Orlando di Lasso – 16. Jahrhundert – Johann Sebastian Bach und dem 1970 geborenen Eric Whitacre. Dessen „Alleluia“ hatte einen Hauch von gregorianischem Gesang, wurde außerordentlich ausdrucksstark dargeboten, mit einem schwebend-sphärischen Sopran und samtweichem Fine-Ton.

Fröhlich, überzeugt und überzeugend dann Bachs Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“. Die Verbeugung vor eben diesem Giganten von Knut Nysted (1915 bis 2014), „Immortal Bach“ (Unsterblicher Bach) war eine Entdeckung. Das kleine Ensemble spaltete sich in sechs (!) vierstimmige Chöre und man meinte, die Töne kämen von überall her. Sogar die Orgel glaubte man zu hören, dabei saß überhaupt keiner auf der Empore! Ein unglaublicher Eindruck.

Mit John Dowland, Hugo Alfvén und Hugo Distler wurde es weltlicher, denn man sang von den Freuden und Leiden der Liebe. „Come again“ heißt es bei Dowland, „to see, to hear, to touch, to kiss“. Der Mann lebte in der sinnenfreudigen Shakespearezeit, da erklärt sich diese Aufforderung. Aus Eduard Mörikes Chorliederbuch dann „Nimmersatte Liebe“ und „Zum Tanze da geht ein Mädel“.

2023 07 01 sommerkonzert uelzen barbara kaiser

Weitere Presseveröffentlichungen und Konzert-Kritiken ...

cth2551Hugo Distler (1908-1942) – Chorwerke
CD Thorofon (CTH 2551)

5. Oktober 2009 – CHOR und KONZERT (Heft 3/2009)

Die tragende Akustik der Lüneburger St.-Nicolai-Kirche bietet einen geeigneten Rahmen für die kirchenmusikalischen Kompositionen von Hugo Distler - bis auf op. 2 - aus dessen Lübecker Schaffenszeit. Der Raumklang vermag der rhythmischen Raffinesse dieser Werke die Schärfe zu nehmen und stellt sie gleichberechtigt neben die oft extremen melismatischen und harmonischen Ausreizungen des Textes. Eine große Vertrautheit des Chores im Umgang mit dem Werk seines Namensgebers bestätigt der erste Höreindruck sofort. Durch die Fähigkeit der selbstbewussten Führung aller einzelnen Stimmen wie auch deren Ausgewogenheit wird das Hören der Aufnahme zur Freude. Die durchgängige satte Klangtiefe des Chores bildet ein schönes Fundament, über dem sich die hohen Stimmen klangvoll entfalten können und den virtuosen Charakter der meisten Werke dadurch besonders fördern. Die enorme Bedeutung dieses Erneuerers der deutschen Kirchemnmusik hebt diese Aufnahme eindrucksvoll hervor.


19. September 2008 – Prof. Volker Hempfling

Die im Juni 2008 bei Thorofon (Bella Musica) erschienene CD „Hugo Distler – Chorwerke“ (CTH 2551), enthält überwiegend Ersteinspielungen. So ist es ein großes Verdienst des Hugo-Distler-Ensembles Lüneburg und seines Leiters Erik Matz, hier eine seit langem bestehende Lücke geschlossen zu haben.

Weitere Rezensionen ...